Samstag, 6. März 2010

Suedinsel, wir kommen!

Arbeiten in diesem Weingarten war sooo anstrengend, dass ich gar nicht genug Os anfuegen kann!
Wow! Beispiele:
- An einem der Tage haben wir statt der beim WWOOFen vorgesehenen vier Stunden sieben absolviert, - Katherine, unsere Gastgeberin, missbrauchte uns weitgehend als Kuechen- respektive Haushaltsgehilfinnen (v. a. haben wir ihre Waesche gewaschen und die Kueche aufgeraeumt, nachdem sie wie jeden Tag Muffins gebacken hat)
- Uuund an unserem letzten, finalen Tag hat die Sonne so auf uns heruntergebrannt, dass ich die Wendung das Gehirn weichkochen zum ersten Mal voll verstanden habe... Die Luft zwischen heisser Erde und weitem Himmel schien zu gluehen und die ohnehin extrem geschrumpfte Anzahl Gehirnzellen verschmolzen zu Marmelade.
- Nicht schoen!

Mir gingen ein wenig die Rechtfertigungen aus, weiterhin Arbeit zu verrichten; die ich nicht mochte und die mir nicht lag, als wir am Freitag endlich nach Auckland aufgebrochen sind und zum Abschied von Katherine ueberraschend 100 Dollar, etwa 50 Euro, erhalten haben; zum Dank fuer die von ihr vielgeschaetzte Hilfe. Wow! Und ich dachte schon, sie findet die Anwesenheit von jugendlichen Haussklaven irgendwie selbstverstaendlich... Aber so kann man sich taeuschen.
Insgesamt kann ich also konstatieren, dass wir auf diesem Weingut doch halbwegs fair behandelt wurden, auch wenn es sich zeitweilig anders angefuehlt hat, wir einiges ueber Wein gelernt und einige gute Beispiele gekostet haben.

Doch nun also... Auckland noch einmal.
Diesmal zeigt sich die Stadt wirklich von ihrer schoensten Seite, was nicht von ungefaehr kommt... Wir haben uns bei unserer Hippiefreundin Marine einquartiert, mit der ich auch schon in Paihia und Raglan unterwegs war - und sie wohnt stilecht in einer Anarcho-Riesen-WG,  einem schoenen, alten Haus, bewohnt von 21 interessanten Menschen. Jeden Abend gibt es leckeres Gemeinschaftsabendessen und ansonsten ist auch alles Essbare mit der Miete abgedeckt, d. h. jeder kann sich einfach aus dem Kuehlschrank bedienen - auch wir, obwohl wir ja nur Gaeste sind. Es herrscht eine enorm lockere Atmosphaehre im ganzen Haus, die wir definitiv vermissen werden... Sowie die netten Konzerte und andere Aktivitaeten, zu denen uns Marine, manchmal irgendwie hyperaktiv, animiert.

Weitere gute Nachrichten: Kelly hat das Auto, Basil, heute verkauft, was zwar traurig, aber auch irgendwie gut ist (sie hat wieder Geld) und wir fliegen morgen Abend auf die Suedinsel! Juchu! Nach ueber fuenf Monaten im Norden gehe ich jetzt also endlich fuer weitere knapp vier Monate in den Sueden, was mich ziemlich gluecklich macht. Heute Abend gibt es Sekt!
Vor allem muessen wir anstossen, da Kelly es geschafft hat, das Auto trotz kaputtem Tacho und Kilometerzaehler fuer fast 500 Euro zu verkaufen (nachdem sie es sich fuer 600 Euro zugelegt hat). Arme Kaeufer waren zwei nette junge Kerle, deutsch und franzoesisch, die mir irgendwie leidtun... Zum einen, da sie auf das Auto wahrscheinlich eine Menge draufzahlen muessen und zum anderen, weil sie trotz Testfahrt den kaputten Tacho nicht bemerkt haben. Irgendwie selber Schuld! Gleichwohl fuehle ich mich  irgendwie schlecht, miserabel und gemein...
Zumindest will das mein moralisches Gewissen.
Ich kann mir jedoch nicht helfen, bin in guter Laune und bald in kaelteren Gefilden (fliege ja naeher in Richtung Antarktis!)... Und kann es wirklich kaum noch aushalten! Nur noch ein Mal schlafen, hihi. Mich erwarten Regenwald und Gletscher, Weintrauben-Pfluecken, Kiwi-Streicheln (jaja den Vogel nicht die Frucht gell) hoffentlich mehr Surfing, viele Erfahrungen, neue Freunde und vielleicht sogar ja so etwas aufregendes wie ein Bungee- oder Fallschirmsprung (nachdem ich mich ja in Taupo nicht getraut habe), definitv aber Wanderungen und viel Natur.
Ich wuensche allen Zurueckgebliebenen wie immer, aber von Herzen alles Liebe und hoffentlich baldigen Fruehling (auch wenn das fuer mich natuerlich irgendwie den Herbst einlaeutet, heul), Lilly

Montag, 1. März 2010

WWOOFing in Martinborough: Weite Himmel und Wein

Kellys und meine Jobsuche in Wellington ist leider trotz immenser Anstrengungen erfolglos geblieben. Ach nein, um ehrlich zu sein, haben wir uns nach einer Weile (zugegebenermassen hat uns die deprimierende Athmosphaere des base-Backpackers wahrscheinlich traege gemacht) mit unserer Arbeitslosigkeit abgefunden und nur noch die verbleibende Zeit Bettenbeziehen, die uns von unserem kleinen Vertrag vorgeschrieben wurde, abgesessen...
Wellington haben wir in dieser Zeit nachhaltig erforscht - in allen Laeden eingekauft, Cafes ausprobiert und abends von Bar zu Bar gehuepft. Klingt, als haette ich eine enorme Menge Geld verschleudert, was nicht ganz wahr ist: Den meisten Spass hatte ich in Wellington in Te Papa, dem unbeschreiblich guten Nationalmuseum, welches, haha, vollkommen kostenfrei ist (trotz irrsinnig aufwendigen, informativen und trotzdem zumeist sehr interessanten Ausstellungen - ausgenommen vielleicht Schotten in Neuseeland). Dorthin bin ich also etwa fuenf mal wiedergekehrt und habe trotzdem das Gefuehl, das Museum nicht entsprechend gewuerdigt zu haben.
Ganz allgemein gesprochen bin ich aus verschiedenen Gruenden trotzdem verdammt froh, Wellington nun nach fast einem Monat verlassen zu haben.

Kelly hat sich entschlossen, Basil, ihr bzw. irgendwie auch unser Auto, in Auckland zu verkaufen. Auckland! Und ich dachte ja wirklich, ich haette die Stadt los! bevor wir uns dorthin auf den Weg machen, welcher in etwa 650km lang sein wird, sind wir um noch einmal etwas Landlluft zu schnuppern wwoofen gegangen.
Martinborough ist eine kleine Weinregion eine Stunde Fahrt nordoestlich von Wellington, produziert werden mehrheitlich Pinot Noirs und Sauvignon Blancs (die Kiwis haben die Angewohnheit, einen Wein ausschliesslich nach der Rebsorte zu benennen) - ziemlich gute sogar.
Big Sky Wines ist ein kleines Familienunternehmen: Kleines Holzhhaus neben etwas vernachlaessigtem Weingarten (den wir jetzt auf Vordermann bringen sollen) mitten im Nirgendwo, zur Unterhaltung steht ein Swimming Pool im "Garten" bereit. Landschaftlich betrachtet ist es hier zwiespaeltig: Letztens habe ich etwas von der Monotonie des Neuseelaendischen Inlandes gelesen, was hier definitiv zutrifft.
Schoen, irgendwie (obgleich es mir niemals einfallen wuerde, hier das Adjektiv huebsch zu verwenden), aber bei wolkenverhangenem Himmel auch trist.
Bei Sonnenschein schoen ohne Abstriche, der "weite Himmel", der dem Weingut seinen Namen leiht, ueberzieht die Landschaft dann ueberraschend dominant und selbst die kleinen Huegel am Horizont scheinen den Blick nur umso mehr nach oeben gleiten zu lassen.


Wir sind in eine harmonische Familiensituation hineingeraten, Brett- oder Kartenspiele mit den beiden Kindern am Abend sind obligatorisch. Die Arbeit im Weingarten (nicht Weinberg, nein, hier ist es flach) ist ziemlich anstrengend, hart und langweilig. Klar: Arbeit, die getan werden muss, wird an jeder mindestens 100m langen Reihe wiederholt.
Kelly gefaellt es hier gut, wesentlich besser als mir, aus verschiedenen Gruenden: Sie mag Kinder mehr als ich, hat kein Problem mit stundenlanger physischer Arbeit (waehrend ich offensichtlich mehr fuers Schreiben und Lernen geboren bin, zumindest so viel Selbsterkenntnis hat sich in Neuseeland schon eingestellt, hihi) und zudem ist sie der erklaerte Liebling unserer Gastgeberin. Aus mir unerfindlichen Gruenden bin ich die Faule; Arbeitsverweigerung habe ich bis jetzt jedoch noch nicht betrieben und fuehle mich momentan etwas verkannt.
Zumindest trinken wir zu jedem Abendessen leckeren Wein.
Das ist doch schon mal was.

Willkommene Abwechslung war unser Ausflug zur Kueste, wir haben eine Seehundkolonie besucht. Seehunde in freier Wildbahn! Yeah, das war schon etwas besonderes! Klasse, die Tiere beobachten zu koennen, wie sie sich natuerlich bewegen. Majestaetisch oder verspielt (aber immer elegant) im Wasser, tollpatschig und zum Knuddeln suess an Land. An ein Exemplar haben wir uns, geschuetzt durch einen Feldbrocken, ganz nahe rangetraut.
Viel besser als im Zoo!


Ich zaehle die Tage bis Freitag (wenn wir uns Richtung Auckland bewegen) und halte durch (denke aber irgendwie auch an unsere nette Bio-Brauerei, in der wiederum ich mich entschieden wohler gefuehlt habe)...

Viele liebe Gruesse aus Neuseeland, Lilly

Donnerstag, 11. Februar 2010

Jobsuche im windigen Wellington

Hallooo aus dem schoenen Wellington! Windy Welly ist der Spitzname, den die wunderhuebsche Neuseelaendische Hauptstadt traegt. Fast 400.000 Einwohner, gefuehlt aber viel mehr, da sich Wellington als Sammelbecken fuer Neuseelands Creme der Politik und Kunst anbietet. Wow! Was mir in Auckland gefehlt hat (Athmosphaere, Architektur) finde ich hier im Ueberfluss.
Waere ich nicht so pleite, koennte ich wirklich gluecklich sein :)
Kelly und ich suchen nach einer adaequaten Arbeit, doch ausser einem Job als Kuechenhilfe mit einem Chefkoch, der scheinbar mehr an unseren Qualitaeten als weibliche Wesen denn unseren kulinarischen Faehigkeiten interessiert war und infolgedessen sofort abgeschossen wurde, hat sich uns noch keine Option aufgetan. Es wimmelt hier zwar von suessen Cafes, doch die suchen entweder nach Muttersprachlern oder nach Leuten, die etwas laenger als nur ein oder zwei Monate in der Stadt bleiben. Zudem macht mir das neuseelaendische Bewerbungssystem zu schaffen: Man reicht seinen Lebenslauf ein und wird mit der Floskel abgespeisst, dass man zurueckgerufen wird. In Wirklichkeit muss man aber selbst aktiv werden und nochmals auf den Arbeitgeber zugehen, der sich erst nach der zweiten Kontaktaufnahme eingehend mit seinem Bewerber geschaeftigen wird - dass daraus dann aber ein Beschaeftigungsverhaeltnis entsteht, ist extrem ungewiss. Anstrengend!
Um uns ueber Wasser zu halten, arbeiten wir momentan in einem Backpackers: Drei bis vier Stunden putzen bzw. Betten beziehen im Austausch gegen ein Bett mit fantastischer Aussicht aus dem sechsten Stock und vier freundlichen Zimmergenossen. Leider hat es uns in die Party-Hostelkette verschlagen... Das Base-Backpackers hat einen fuerchterlichen Ruf als Sauf- und Fickstation unter allen Reisenden, die sich selber ernst nehmen. Ich sehe die zwei Wochen, die ich hier gebunden bin, als eine Art Milieustudie und versuche, die Spermaflecken auf den Bettbezuegen zu ignorieren, was immer besser gelingt. Die Frage, was junge Menschen, die mir selbst gar nicht so unaehnlich sind, hierher treibt, habe ich allerdings immer noch nicht klaeren koennen...

Um etwas Abwechslung in unsere Jobsuche zu bringen, sind Kelly und ich letztes Wochenende noch einmal nach Taranaki gefahren, um auf Einladung unserer Brauerei-Gastgeberin Jill hin das oertliche Wine and Food Festival zu besuchen. Ein toller Tag, der beinahe die insgesamt zehn Stunden Autofahrt hin und wieder zurueck wert war! Fantastische einheimische Bands (die Kiwis ueberraschen mit dem in Deutschland ja eher unpopulaeren Reaggae, passt aber bestens zu der allgemein enorm entspannten Athmossphaere, die in diesem Land herrscht), guter lokaler Wein und natuerlich das tolle Bio-Bier, das unser ehemaliger WWOOF-Platz herstellt (das vermisse ich ja schon ein bisschen hier in Wellington).

Was gibts sonst noch Neues? Ich habe mein erstes eigenes Brot gebacken, als Gegenreaktion auf das labberige neuseelaendische Toastbrot - sogar wenn Roggenbrot auf dem Etikett steht (was ich ziemlich lustig finde: Wie sollen die Kiwis denn wissen, was sie da kaufen? Ein bisschen Deutsch spricht doch jeder!) schmeckt es wie Pappe mit Koernern... Leider hat es ein bisschen an Salz gemangelt, aber ansonsten war ich ganz zufrieden.
Ich erweitere meine Sammlung an Hippieklamotten, muss wohl aber bald einen Gutteil davon per Paeckchen nach Hause verschiffen, denn Kelly hat beschlossen, ihr Auto (Basil, unser Weggefaehrte seit ueber drei Monaten!) zu verkaufen und die ihr verbleibende Zeit bis Mai auf der Suedinsel oekologisch-autolos zu bestreiten.
Falls wir keinen Job finden, nehmen wir in zwei Wochen die Faehre, ansonsten warten wir noch ein paar Wochen mehr. Ohne Geld muessten wir schwimmen, aber das ist doch ein bisschen zu weit und zu kalt bis nach Picton! Hofft also mit mir, dass ich mich finanziell etwas stabilisieren kann :)

Das wars fuer den Moment, alles Gute aus dem Regen (ist das besser als die Schneemassen in Deutschland?), Lilly